Junge Frauen haben es heutzutage aus Sicht der 83-jährigen Feministin Alice Schwarzer schwerer als ihre Generation im Kampf um Gleichberechtigung und Frauenrechte. In ihrer Lebensführung hätten sie zwar scheinbar freie Wahl, aber die Rollenzwänge seien jetzt stärker als in den 70er Jahren, sagte die Publizistin und Gründerin der Zeitschrift «Emma» bei der Vorstellung ihres neuen Buchs «Feminismus pur. 99 Worte» in einem Berliner Kino vor etwa 400 Gästen. Es habe damals, als sie Feministin wurde, zum Beispiel keine Influencerinnen gegeben, die schädliche Schönheitsideale bewerben und heutzutage bei vielen Mädchen Selbstzweifel und Unsicherheit einpflanzten. Viele junge Frauen wollten Subjekt und Objekt zugleich sein – und säßen damit schon in der Falle. Sie verteidige dagegen den «wahren Feminismus», betonte sie. Es gehe darum, «erhobenen Hauptes dem anderen Geschlecht gegenüberzutreten» und sich niemandem anzubiedern, sagte Schwarzer. Das neue Buch zieht auch eine Bilanz ihres jahrzehntelangen Engagements. Genau 99 Begriffen widmet die wohl bekannteste Feministin Deutschlands je eine Buchseite – von A wie Arbeit und Alter über I wie Influencerinnen und Islamismus, M wie MeToo bis hin zu R wie Rassismus oder S wie Sexualität. Schwarzer ist Autorin beziehungsweise Herausgeberin von 48 Büchern. Vor der Lesung gab es Proteste von etwa 40 queeren Feministinnen und Feministen. In ihrem Aufruf zur Demonstration vor dem Kino heißt es, Schwarzer hetze gegen Transpersonen und verbreitete falsche Informationen über sie. Zudem verbreite Schwarzer «rassistischen Müll». Empörung hatten zuletzt wohlwollend klingende Worte Schwarzers über AfD-Chefin Alice Weidel im «Spiegel» ausgelöst. Diese seien aber aus dem Zusammenhang gerissen, betonte sie nun. Sie stehe links. «Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht den Verdacht erweckt, dass ich mit einer rechten Partei sympathisiere.» Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine an diesem Dienstag bekräftigte Schwarzer ihre umstrittene Forderung, dass Deutschland umgehend seine Waffenlieferungen an die Regierung in Kiew einstellen sollte. Der Krieg werde nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in Verhandlungen beendet. Fakt sei, dass die kleine Ukraine einer Atommacht gegenüberstehe. Ein gerechter Frieden sei daher «keine Frage der Moral, sondern der Macht.»Von M wie MeToo bis hin zu R wie Rassismus
Proteste der queeren Szene gegen Schwarzer
Gerechter Frieden «keine Frage der Moral»
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Alice Schwarzer: Junge Frauen haben es heute schwerer
Alice Schwarzer sieht junge Frauen heute stärker unter Druck als in den 70ern – auch wegen der Rolle sozialer Medien. Bei der Vorstellung ihres neuen Buchs gibt es auch Proteste aus der queeren Szene.
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