16. Januar 2026 / Aus aller Welt

Australien: Social-Media-Aus für Kinder zeigt Wirkung

Australien zieht erste Bilanz: Nach dem Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige wurden bereits fast fünf Millionen Accounts gelöscht. Die Regierung feiert - aber es gibt auch eine Klage.

Erklärtes Ziel des Verbots: Kinder und Jugendliche sollen mehr Zeit mit Freunden verbringen. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 16. Januar 2026 um 11:32 Uhr

Seit gut einem Monat dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Australien keine eigenen Social-Media-Konten mehr haben. Jetzt gibt es erste Zahlen: Nach Angaben der Regierung wurden seit Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes am 10. Dezember bereits mehr als 4,7 Millionen Accounts von Kindern und Jugendlichen deaktiviert, gelöscht oder eingeschränkt. Australien hatte als erstes Land der Welt entsprechende Regeln eingeführt und gilt damit als Vorreiter im digitalen Kinderschutz.

Nach vorläufigen Auswertungen der Online-Sicherheitsbehörde eSafety unternehmen betroffene Plattformen demnach «ernsthafte Anstrengungen», um Minderjährigen den Zugang zu verwehren. Veränderungen passierten nicht über Nacht, erklärte Premierminister Anthony Albanese. «Doch diese ersten Ergebnisse zeigen, wie wichtig es war, dass wir diesen Schritt gegangen sind. Wir wollen, dass unsere Kinder eine Kindheit haben – und dass Eltern wissen, dass wir hinter ihnen stehen.»

«Kinder fahren wieder Fahrrad und lesen»

Betroffen von dem Gesetz sind unter anderem Instagram, Tiktok, Snapchat, Facebook, YouTube, X, Reddit und Twitch. Ausgenommen sind verschiedene Messenger- und Spiele-Dienste wie Roblox, WhatsApp und Facebook Messenger.

«Junge Menschen haben diese Schulferien nicht an ihren Geräten verbracht, sondern sind Fahrrad gefahren, haben Bücher gelesen und Zeit mit Freunden und Familie verbracht», sagte Albanese weiter. Kommunikationsministerin Anika Wells erklärte: «Viele haben gesagt, das sei nicht machbar. Aber dies ist eine unglaubliche australische Erfolgsgeschichte, mit der wir der Welt zeigen, was möglich ist – um Kindern ihre Kindheit zurückzugeben.»

Reddit klagt gegen das Gesetz

Das Gesetz war bereits Ende 2024 verabschiedet worden. Fast alle großen Parteien hatten den Vorstoß von Regierungschef Albanese im Parlament unterstützt. Die Plattformen bekamen zwölf Monate Zeit, sich auf die neuen Altersbeschränkungen einzustellen. Bei Verstößen drohen den Unternehmen saftige Bußgelder von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (28,5 Millionen Euro). Reddit hat gegen das Verbot Klage eingereicht.


Bildnachweis: © Annette Riedl/dpa
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