29. September 2025 / Aus aller Welt

Bald gibt es erste Flussbestattungen in Deutschland

Rheinland-Pfalz ist das erste Bundesland in Deutschland, das Flussbestattungen erlaubt. Das Gesetz ist jetzt in Kraft. Auf dem Wasser bereitet man sich vor.

Mit der Neufassung des Bestattungsgesetzes sind neue Beisetzungen in Rheinland-Pfalz möglich. (Archivbild)
Veröffentlicht am 29. September 2025 um 04:00 Uhr

In Rheinland-Pfalz wird es bald die bundesweit ersten Flussbestattungen geben. Das Land hat sein Bestattungsgesetz neu gefasst und erlaubt jetzt auch das Ablassen einer Urne in die Flüsse Rhein, Mosel, Saar und Lahn. Das Gesetz ist seit Samstag in Kraft. Auch wenn noch manche Details unklar sind - die Branche macht sich bereit. 

Auf dem Oberdeck eines Schiffes auf der Mosel steht eine Urne auf einem mit Blumen dekorierten Tisch. Bestatterin Ulrike Grandjean nimmt sie in beide Hände und trägt sie auf das Außendeck. Sie hebt das Gefäß über ein Geländer und lässt es an Seilen hinunter in Richtung Mosel. «So könnte es gehen», sagt sie nach dem Probelauf zu Kapitän Joachim Zimmermann.

Interesse an Flussbestattungen besteht

Grandjean und Schiffsbesitzer Zimmermann haben sich nach dem neuen Gesetz zusammengesetzt. «Der Bestatter hat ja in der Regel kein Schiff», sagt sie. Daher sei sie über die Kooperation mit Zimmermann froh. Wenn das Gesetz gelte und man eine Verfügung habe, könne man also loslegen. «Wir haben auch schon Anfragen.»

Zimmermann ist schon viele Jahre mit seiner Partnerin Petra Bernard als Bootsfrau auf dem Schiff Telegraaf IV. auf der Mosel unterwegs. Bisher wird das Ex-Postfrachtschiff für Familienfeiern genutzt. «Das Schiff hat viel Historie und ist auch passend für Flussbestattungen», sagt der 69-Jährige in Riol. Er merke bereits großes Interesse an seinem neuen Angebot: «Es haben sich schon 12 oder 13 Bestatter bei mir gemeldet. Es kommt fast jeden Tag einer dazu.»

Urne muss sich im Wasser rasch auflösen

Für die Flussbestattungen braucht es besondere Genehmigungen. Diese können nun beantragt werden, wie das Gesundheitsministerium in Mainz mitteilt. Zunächst wird noch jeder Fall einzeln entschieden. Später soll eine Durchführungsverordnung kommen, die die Abläufe leichter macht und Dinge festlegt, wie an welcher Stelle im Gewässer eine Flussbestattung erfolgen kann.

Grandjean sagt, auf jeden Fall werde die Urne von einem Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens ins Wasser gelassen. Die Urne müsse aus Zellulose sein – also einem Material, das sich nach dem Sinken rasch im Wasser auflöse.

Ob die Bestattung auf dem Schiff mit oder ohne Angehörige erfolge, könne gewählt werden, fügt Zimmermann hinzu. Möglich sei sie auch mit oder ohne Fahrt. Auf dem Oberdeck habe er Platz für 60 Leute.

Grandjean, die auch stellvertretende Vorsitzende des Bestatterverbands Rheinland-Pfalz ist, ist froh, dass sie auch bald Flussbestattungen anbieten kann. «Ich finde das eine ganz tolle Alternative.» Sie geht aber davon aus, dass nach einem ersten Hype diese Bestattungsform letztlich einen eher geringeren Prozentsatz der Beisetzungsmöglichkeiten ausmachen werde.

Das Bestattungswesen ist seit vielen Jahren im Wandel. Mit der Neufassung des Bestattungsgesetzes in Rheinland-Pfalz werden auch Tuchbestattungen ermöglicht, aus der Asche Verstorbener dürfen Diamanten hergestellt werden, die Asche kann unter bestimmten Umständen auch unter einem Apfelbaum verstreut oder in der Urne zu Hause aufbewahrt werden.

Hauptgrund ist Heimatverbundenheit

Eine Flussbestattung werde im Schnitt günstiger sein als eine Urnenbeisetzung auf dem Friedhof, weil man keine Grabstätte erwerben müsse, sagt Grandjean. Bei vielen, die eine Flussbestattung wünschten, spiele die Heimatverbundenheit eine große Rolle. Bootsfrau Bernard fügt hinzu: «Das ist die letzte Reise, die wir den Leuten anbieten. Es gibt ganz viele Menschen, die der Mosel so verbunden sind, gerade im Trierer Raum. Ich denke, sie warten nur auf das Angebot.»

Zimmermann berichtet, die Anfragen von Bestattern erreichten ihn aus ganz Rheinland-Pfalz: von Vallendar über Birkenfeld und Pirmasens bis Kaiserslautern. «Ein Bestatter aus Birkenfeld hat schon zwei Verfügungen. Wenn es so weit ist, will er es unbedingt hier machen», sagt er.


Bildnachweis: © Harald Tittel/dpa
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