4. Mai 2026 / Aus aller Welt

Prozess am Geburtstag - Block-Anwalt listet Widersprüche auf

Blumen für Christina Block, dann beginnt wieder der Prozessalltag. Wie bewerten Verteidiger und Nebenklage die Aussage eines mutmaßlichen Fahrers bei der Entführung der Kinder?

Prozess am Geburtstag: Christina Block auf dem Weg in den Gerichtssaal.
Veröffentlicht am 4. Mai 2026 um 14:34 Uhr

Es ist Christina Blocks 53. Geburtstag - doch der Weg führt auch an diesem Morgen in den Gerichtssaal. Eine Frau reicht ihr Blumen auf dem Gang im Landgericht Hamburg, dann startet der 48. Prozesstag. Seit Juli 2025 wollen die Richter klären, welche Rollen die Unternehmerin und sechs Mitangeklagte bei der mutmaßlichen Entführung der beiden jüngsten Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/24 spielten.

In der vergangenen Woche hatte ein 35 Jahre alter Zeuge aus Israel ausgesagt, der nach eigenen Angaben einer der Fahrer bei der Tat war. Er hatte sich mitten im Prozess gemeldet und wie drei weitere Beschuldigte sicheres Geleit für seine Aussage bekommen. Nun gibt es Gelegenheit, Stellungnahmen zu der Befragung abzugeben.

Verteidigung: Großmutter war schon lange tot

Es gebe zahlreiche Widersprüche, sagt Blocks Anwalt Ingo Bott. Inzwischen hätten die Zeugen aus Israel zahlreiche Varianten eines angeblichen Treffens seiner Mandantin mit den mutmaßlichen Entführern Ende 2023 kurz vor der Rückholaktion geliefert. Blocks Verteidigung hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach betont, dass es ein solches Treffen in einem Hotel nie gegeben habe. Auch bei dem genauen Datum machten die Israelis unterschiedliche Angaben, moniert Bott.

Der Zeuge hatte laut Übersetzung berichtet, Christina Block habe bei der kurzen Besprechung mit den maskierten Männern gesagt, auch die Großeltern wünschten sich, dass die beiden Kinder zurückkommen. Doch da sei die Großmutter schon ein halbes Jahr tot gewesen, betont Bott.

Es sei auch unglaubwürdig, dass Block bei einem solchen Treffen nicht zahlreiche Fragen gestellt und die Alarmknöpfe, die die Kinder trugen, nicht erwähnt hätte. Als weiteres Beispiel nannte Bott unterschiedliche Angaben zu Farbe und Inhalt einer Tüte, die Block nach Aussage mehrerer Zeugen aus Israel an dem Tag übergeben haben soll.

Nebenklage: «Traumatische Erfahrung» für die Kinder

Abweichungen - etwa welche Gegenstände in der Tüte gewesen sein sollen - seien normal nach so langer Zeit, sagte der Vertreter der Nebenklage, Christoph Henckel, Anwalt von Blocks Ex-Mann. Die Schilderungen des Zeugen hätten noch einmal deutlich gemacht, was für eine «traumatische Erfahrung» die Erlebnisse für den damals 10 Jahre alten Jungen und das 13-jährige Mädchen gewesen sei. Aber «schlicht absurd» nennt der Jurist die Behauptung des 35-Jährigen, er sei davon ausgegangen, es habe sich um eine legale Aktion gehandelt.

Jahrelang führte Christina Block mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel, der die beiden Kinder nach einem Wochenendbesuch im Sommer 2021 nicht zurück nach Hamburg gebracht hatte, einen erbitterten Sorgerechtsstreit. In der Zeit bis zu der Tat hatte sie nach eigener Aussage so gut wie keinen Kontakt zu ihren Kindern.

Die 53-Jährige ist angeklagt, eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihren Sohn und ihre jüngste Tochter in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark zu entführen. Die Rückholung war laut Staatsanwaltschaft gewaltsam verlaufen. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, beteuert ihre Unschuld.

Auch Blocks Lebensgefährte Delling angeklagt

Die Anklage gegen Block lautet unter anderem gemeinschaftliche schwere Entziehung von Minderjährigen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Ihr Lebensgefährte, Ex-Sportmoderator Gerhard Delling (67), muss sich wegen Beihilfe verantworten. Sechs der Angeklagten weisen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Ein 36-jähriger Israeli, der in Untersuchungshaft sitzt, hat eingeräumt, dass er beteiligt war. Jedoch sei ihm zuvor versichert worden, etwas Gutes und Legales zu tun.

Christina Block hatte zu Beginn des Prozesses erklärt, dass sich die israelische Sicherheitsfirma eigentlich nur um die Cybersicherheit im zur Block-Gruppe gehörenden Hotel Grand Elysée kümmern sollte. Sie sei davon ausgegangen, dass die Israelis vor Silvester in ihre Heimat abgereist seien.

Eine Mitarbeiterin dieser Firma habe sie am Neujahrsmorgen 2024 angerufen und ihr mitgeteilt, sie solle zu einem Treffen mit ihren Kindern nach Süddeutschland fahren. Das sei für sie überraschend gekommen. Blocks Anwalt hat bereits angekündigt, dass sich seine Mandantin zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal ausführlicher zu den Aussagen der israelischen Zeugen äußern will.

Eigentlich wollte das Gericht an diesem Prozesstag erneut einen Kinderpsychologen hören, der Christina Block oft beraten hat. Doch da er erkrankt ist, endete die Verhandlung bereits nach eineinhalb Stunden. Fortsetzung ist am Dienstag - dann soll ein Privatermittler aussagen.


Bildnachweis: © Marcus Brandt/dpa
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