7. September 2025 / Aus aller Welt

Dirigent Christoph von Dohnányi ist tot

Er galt als Perfektionist mit hohem künstlerischen Elan. Der Dirigent Christoph von Dohnányi ist im Alter von 95 Jahren in München gestorben.

Christoph von Dohnányi ist tot. (Archivbild)
Veröffentlicht am 7. September 2025 um 22:34 Uhr

Christoph von Dohnányi, einer der herausragenden Dirigenten seiner Generation, ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 95 Jahren, zwei Tage vor seinem 96. Geburtstag, im Kreise der Familie in München, wie seine Ehefrau der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Der gebürtige Berliner hatte an allen großen Opernhäusern der Welt dirigiert, stand am Pult der großen Orchester in Europa und den USA. Schon früh machte sich Dohnányi als engagierter Verfechter eines zeitgemäßen Musiktheaters und geschickter Manager des Opernbetriebs einen Namen. Mit Vorliebe verband der Perfektionist traditionelle mit avantgardistischen Inszenierungen.

Sein Vater war der Widerstandskämpfer Hans von Dohnanyi, der im KZ Sachsenhausen hingerichtet wurde, seine Mutter eine Schwester des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Sein älterer Bruder ist der ehemalige Bundesminister für Bildung und Wissenschaft und frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD). Dohnányi war in dritter Ehe verheiratet und ist Vater von fünf Kindern, darunter der Schauspieler Justus von Dohnanyi.

Mit 27 Jahren jüngster deutscher Generalmusikdirektor

Dohnányi wurde am 8. September 1929 in Berlin geboren. Zunächst studierte er Jura und Musik in München, später setzte er sein Musikstudium bei seinem Großvater, dem Komponisten Ernst von Dohnányi, in Amerika fort. 1952 holte ihn Georg Solti als Korrepetitor an die Oper nach Frankfurt. 

Mit 27 Jahren wurde er in Lübeck jüngster deutscher Generalmusikdirektor. Nach Stationen in Kassel, Köln und Frankfurt übernahm Dohnányi von 1977 bis 1984 die Leitung der Hamburgischen Staatsoper und setzte hier weitere Akzente mit jungen, von Schauspiel und der Bühnenbildnerei kommenden Regisseuren wie Luc Bondy, Jürgen Flimm, Achim Freyer und Herbert Wernicke.

Nach Dauerkontroversen mit dem Betriebs- und Aufsichtsrat verabschiedete sich Dohnányi aus Hamburg und begann 1984 die Leitung des Cleveland Orchestra. 1996 übernahm Dohnányi die Position des «principal conductor» beim Londoner Philharmonia Orchestra, 1998 wurde er Gastdirigent beim Orchestre de Paris. 2004 kehrte er nach Hamburg zurück, wo er bis 2011 die Leitung des NDR Sinfonieorchesters übernahm.


Bildnachweis: © Georg Wendt/dpa
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