2. April 2026 / Aus aller Welt

Heimbetreiber in Schieflage? Mehrere Bundesländer betroffen

Ein Pflegeheimbetreiber soll finanzielle Probleme haben. Vor allem in einem Heim bei Hannover hatte das für die Patienten drastische Auswirkungen.

Nicht alle Heime des Betreibers sind betroffen. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 2. April 2026 um 17:01 Uhr

In mehreren Pflegeheimen desselben Betreibers in Deutschland kommt es derzeit zu Problemen. In Laatzen bei Hannover wurde am Mittwoch ein Standort von Ambiente Care durch die Heimaufsicht kurzfristig geschlossen und die Patienten verlegt, wie die Regionsverwaltung mitteilte. Auch von einem Standort in Nordrhein-Westfalen sind Probleme bekannt. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

«Wir dementieren ausdrücklich die Gerüchte einer Insolvenz», teilte das Münchener Unternehmen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Arbeitsverhältnisse der Angestellten seien nicht gekündigt worden. Auch beim zuständigen Gericht in München ergab die Suche nach einem Insolvenzantrag zunächst keinen Treffer.

Bewohner müssen Heim plötzlich verlassen

In Laatzen hatte die Heimaufsicht den Betrieb des Pflegeheims bis auf weiteres untersagt, nachdem am Mittwochmorgen lediglich drei Pflegekräfte und einige Reinigungs- und Küchenkräfte zum Frühdienst erschienen waren. Laut Regionsverwaltung habe die Gefahr bestanden, dass ab 16.00 Uhr kein Personal mehr im Haus sei. Die Heimbewohner seien daraufhin im Laufe des Tages auf 18 verschiedene Pflegeeinrichtungen verteilt worden. Für die weitere Unterbringung seien sie nun wieder selbst verantwortlich.

Laut Ambiente Care wurden 59 Bewohnerinnen und Bewohner verlegt. Das habe bis 21.30 Uhr gedauert. «Nach unserer Einschätzung wurde uns die Möglichkeit verwehrt, im Rahmen dieses Prozesses alle zur Verfügung stehenden Optionen zur Vermeidung von Verlegungen auszuschöpfen», teilte das Unternehmen mit. Unabhängig von der Situation in Laatzen stehe das Ambiente Care im Austausch mit den Heimaufsichten seiner weiteren Häuser, um die Versorgung sicherzustellen. 

Bereits in der Vorwoche habe die Heimaufsicht Hinweise erhalten, wonach das Februargehalt bisher nicht ausgezahlt worden sei und Lieferfirmen sich weigern würden, Verbrauchsmaterialien zu liefern. Zwölf Bewohner seien zu dem Zeitpunkt bereits vorsorglich verlegt worden, hieß es. Der Betreiber habe eine Überweisung der Gehälter bis Mittwochmorgen zugesagt. Ob die Frist eingehalten wurde, ist nicht bekannt.

Kritik von der Deutschen Stiftung Patientenschutz 

Für Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund ist all dies ein Unding. Der Stiftungsvorstand sagte, er vermisse einen Aufschrei in Gesellschaft und Politik. Bei Mängeln und Missständen in Krankenhäusern werde Alarm geschlagen - im Falle von Pflegeeinrichtungen jedoch passiere nichts, betonte er. 

«Dabei geht es für die Menschen dort ja um ihre Wohnung, ihren Lebensraum», sagte Brysch der Deutschen Presse-Agentur. «Es wundert mich, dass alle Landesminister die Dinge so passieren lassen. Es gibt nicht einmal ein Monitoring.» Dabei sei dies dringend notwendig. 

Betrieb in Unna bis Ostermontag gesichert

Im nordrhein-westfälischen Unna bei Dortmund ist zumindest die Pflege am Ambiente-Standort bis Dienstagvormittag gesichert, wie die Heimaufsicht mitteilte. Es hätten sich genügend Mitarbeiter gefunden, die zur Arbeit kämen. An dem Standort hätten Angestellte bisher nur einen Teil ihres Februargehaltes bekommen. In den vergangenen Tagen habe sich die Lage weiter zugespitzt, schilderte eine Sprecherin des Kreises. Angehörigen werde geraten, sich Alternativen zu suchen. Ein Teil der 42 Bewohner sei bereits ausgezogen, über die Osterfeiertage sollen weitere folgen. 

Am Standort in Velbert laufe der Betrieb. Die Heimaufsicht habe bislang nicht eingreifen müssen, sagte ein Sprecher des zuständigen Kreises Mettmann.

Keine Probleme in Sachsen und Brandenburg

Die Seniorenresidenz von Ambiente Care in Neuenhagen in Brandenburg ist nach Angaben der Leiterin derzeit nicht betroffen von einer Schließung. «Neuenhagen bleibt eine Pflegeeinrichtung», sagte die Einrichtungsleiterin Birgit Heinze. «Wir versuchen, unsere Pflegeeinrichtung aufrechtzuerhalten.» Das Sozialministerium ist nach eigenen Angaben wie die Heimaufsicht über die wirtschaftliche Lage von Ambiente Care informiert. Derzeit liefen Gespräche mit dem Ziel, den Betrieb langfristig zu sichern. «Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine gesicherten Anhaltspunkte, die diesem Ziel entgegenstehen.»

In Sachsen sei der Heimaufsicht nichts über geplante Schließungen oder Probleme der beiden Einrichtungen in Dresden bekannt, hieß es auf Anfrage.

Der einzige bayerische Standort in Gröbenzell bei München wurde zu Mittwoch geschlossen. Das zuständige Landratsamt Fürstenfeldbruck teilt dazu mit: «Der Träger hat dem Landratsamt mitgeteilt, die Einrichtung zum 01.04.2026 zu schließen. Gestern ist die letzte Bewohnerin aus dem Heim ausgezogen und der Betrieb somit faktisch eingestellt.»


Bildnachweis: © Marijan Murat/dpa
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