3. Juli 2025 / Aus aller Welt

Italien führt Wegfahrsperren für Alkoholsünder ein

In Deutschland wird seit langem darüber diskutiert - Italien macht jetzt ernst: Promilletäter sollen künftig pusten müssen, bevor sie mit dem Auto losfahren dürfen.

Italien führt Wegfahrsperren für Alkoholsünder ein. (Foto: Archiv)
Veröffentlicht am 3. Juli 2025 um 10:46 Uhr

In Italien müssen Alkoholsünder künftig Wegfahrsperren in ihre Autos einbauen. Mit solchen Geräten - sogenannten Alkolocks - kann verhindert werden, dass Autofahrer, die schon einmal erwischt wurden, sich wieder mit Promille im Blut ans Steuer setzen. In einigen anderen Ländern wie den USA oder Schweden gibt es bereits solche Regelungen, in Deutschland nicht.

Mit dem neuen Erlass will die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni dafür sorgen, dass die Zahl der Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss zurückgeht. Nach den neuesten Zahlen kommen in Italien jedes Jahr etwa 3.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Oft ist Alkohol im Spiel. Die Promillegrenze liegt wie in Deutschland bei 0,5. Kontrolliert wird verhältnismäßig selten.

Strafen für Test-Verweigerer

Autofahrer, die in Italien wegen 0,8 Promille oder mehr verurteilt wurden, müssen jetzt, wenn sie den Führerschein wieder bekommen, in ihr Fahrzeug für zwei Jahre ein Gerät einbauen. Die Kosten werden auf etwa 2.000 Euro geschätzt. Wer 1,5 Promille und mehr im Blut hatte, muss sogar drei Jahre mit einem Alkolock fahren. Wenn ein Promilletäter trotz Verurteilung ohne Gerät unterwegs ist, werden bis zu 638 Euro Geldstrafe fällig. Außerdem ist der Führerschein dann wieder weg.

Die Geräte funktionieren im Prinzip wie eine Alkoholkontrolle durch die Polizei: Wer losfahren will, muss in ein Röhrchen pusten. Ist man nüchtern oder hat nur wenig getrunken, kann es losgehen. Überschreitet der Wert jedoch 0,5 Promille, verhindert das System, dass das Auto angelassen werden kann. Der Einbau ist nur in einer autorisierten Werkstatt möglich. Mit einem Siegel soll verhindert werden, dass die Sperre umgangen werden kann.

ADAC lehnt grundsätzlichen Einbau ab

Allerdings gibt es Zweifel, dass die Verordnung tatsächlich wie geplant umgesetzt werden kann. Beispielsweise ist etwa ein Fünftel der Autos, die in Italien zugelassen sind, mehr als 20 Jahre alt. Experten verweisen darauf, dass es unmöglich sei, in solche Autos elektronische Wegfahrsperren einzubauen. 

In Deutschland gibt es bereits seit mehreren Jahren Debatten über «Alkolocks», ohne dass es je zu einer Umsetzung kam. Der Automobilclub ADAC lehnt den Einbau in alle Pkw als unverhältnismäßig ab. Zudem verweisen Gegner auf Statistiken, wonach in Ländern mit solchen Wegfahrtsperren die Zahl der alkoholbedingten Unfälle nicht wesentlich gesunken ist.


Bildnachweis: © Herbert Pfarrhofer/apa/dpa
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