10. Februar 2026 / Aus aller Welt

Kölner Karnevalisten verteidigen fehlenden Putin-Wagen

Der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly wird in Russland strafrechtlich verfolgt. Da fällt es auf, dass Köln ausgerechnet jetzt auf einen Putin-Wagen verzichtet.

Der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly ist von russischen Justizbehörden mit einem Strafverfahren überzogen worden (Archivbild).
Veröffentlicht am 10. Februar 2026 um 15:12 Uhr

Kölner Karnevalisten haben ihren Verzicht auf einen Putin-Wagen im diesjährigen Rosenmontagszug verteidigt. «Das war kein Fehler», sagte Zugleiter Marc Michelske der Deutschen Presse-Agentur. Köln habe sich dafür entschieden, das Thema Putin dieses Jahr dem Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly zu überlassen. Gegen Tilly hat die russische Justiz ein Strafverfahren wegen seiner Karnevalswagen eingeleitet.

In der Vergangenheit fuhren auch im Kölner Rosenmontagszug Wagen mit, die sich kritisch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auseinandersetzten. Doch nun sagt Michelske: «Ich weiß, dass Jacques einen so guten Wagen machen wird, da freue ich mich schon drauf, den zu sehen.» Die Kölner hätten sich mit Tilly in öffentlichen Statements solidarisiert, «durch einen Wagen müssen wir es aber aus meiner Sicht nicht machen».

Angst vor russischen Repressalien angeblich kein Grund

Angst vor russischen Repressalien sei kein Grund für die Entscheidung gewesen, betonte Michelske. «Für uns war am Ende, wie gesagt, wichtig, dass es einen Wagen geben wird. Jacques hat gesagt, er macht einen, und dann konnten wir uns auch einfach für ein anderes Thema entscheiden.» Der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn sagte, er stehe hinter der Entscheidung: «Der Zugleiter ist autonom in der Themenauswahl, und wenn er das so entschieden hat, dann trage ich das mit», sagte er der dpa.

Tilly, dessen satirische Wagen in Düsseldorf regelmäßig auch international wahrgenommen werden, wird in Moskau vorgeworfen, Fakes über die russische Armee verbreitet zu haben. Seine Darstellungen seien eine Beleidigung für Putin als Oberbefehlshaber, hatte das russische Portal «Ostoroschno Nowosti» berichtet. 

Düsseldorfer Wagenbauer Tilly ist Drohungen gewohnt

Tilly hat dazu gesagt, er sei Drohungen gewohnt und habe keine Angst. «Nur kann ich jetzt nicht mehr in bestimmte Länder reisen, die möglicherweise ein Auslieferungsabkommen mit Russland haben», sagte er. Aber das sei nichts im Vergleich zu dem, was etwa inhaftierte russische Oppositionelle auf sich nehmen müssten.

Der Kölner Rosenmontagszug zeigt dieses Jahr unter anderem US-Präsident Donald Trump, dessen Gesäß mit Küssen übersät ist, etwa von «Merz», «Macron» und «Nato». Auf einem anderen Wagen sieht man eine blaue AfD-Schlange, die im Stil der Python Kaa aus dem «Dschungelbuch» einen «deutschen Michel» umschlingt. Weitere Wagen behandeln die Aufrüstung, Grönland und KI. Auch Streitereien zwischen Union und SPD in der Bundesregierung werden persifliert - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sind zu sehen, wie sie sich in Sadomaso-Outfits gegenseitig Schmerzen bereiten.


Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
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