30. Juli 2025 / Aus aller Welt

Talbrücke in Sekunden Geschichte: «sehr zufrieden»

Von der Brücke gibt es nur noch Trümmer. Wann kann der Verkehr auf der Bundesstraße 45 wieder durchgängig rollen?

Die Brücke stürzt durch Sprengung ein
Veröffentlicht am 30. Juli 2025 um 13:09 Uhr

Umleitungen, Zeitverlust Lärmbelästigung: Marode Brücken sorgen bei Pendlern, Anwohnern und Unternehmen immer wieder für Unmut. Wie schon in den vergangenen Jahren bei der Salzbachtalbrücke auf der A66 bei Wiesbaden ist es im Kleineren nun auch auf der B45 in Südhessen bei Bad König. Eine dort auf der für die Region wichtigen Nord-Süd-Verbindung gesperrte Brücke ist nun Geschichte. Nach einer gezielten Sprengung stürzte das rund 116 Meter lange Bauwerk zusammen. 

Sprengung verlief reibungslos

«Das ging am Schnürchen, so wie geplant, Haken setzen, alles gemacht», sagte Sprengmeister Richard Lankes. «Ich bin sehr zufrieden jetzt heute.» Zwei Hornsignale, ein kurzer Countdown: Um 11.01 Uhr besiegeln Detonationen das Ende der Brücke. «Die Herausforderung war fast die Schnelligkeit, weil Hessen Mobil alles möglich gemacht hat und wir in kürzester Zeit alles vorbereiten konnten und die Sprengungen durchgeführt haben.»

Unternehmen fordern schnellen Neubau

Die regionale Wirtschaft pocht nach dem Abriss auf einen zügigen Neubau. Schon vor der Sprengung teilte die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände mit: «Es kann nicht sein, dass es vier Jahre dauern soll, bis die wichtigste Verkehrsader im Odenwald wieder hergestellt ist.» In spätestens zwei Jahren sollte der Verkehr wieder durchgängig auf der B45 fließen. Zum Vergleich: Die alte Salzbachtalbrücke war im November 2021 gesprengt worden. Erst an diesem Freitag wird der Neubau wieder vollständig für den Verkehr freigegeben.

Menschen leiden unter Verkehrssituation

Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) will nach der Sprengung Tempo bei einem Neubau machen. «Das erwarten auch die Menschen hier in der Region und die Leute in den angrenzenden Kommunen, die unter der Verkehrssituation leiden», sagte er.

Das Ziel sei jetzt, in den nächsten Tagen eine sogenannte funktionale Ausschreibung auf den Weg zu bringen, also Planen und Bauen soll aus einer Hand vollzogen werden. «Wir verzichten hier auf ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren.» Das habe ein enormes Beschleunigungspotenzial. «Normalerweise würde es knapp zehn Jahre dauern, bis eine solche neue Brücke steht. Das ist hier nicht akzeptabel.»

Viel Schutt durch Detonation

Nach Angaben der zuständigen Landesbehörde Hessen Mobil muss der Schutt der gesprengten Brücke im Odenwald schätzungsweise mit rund 1.500 Lasterladungen weggeschafft werden. Schaulustige durften sich die Sprengung aus Sicherheitsgründen nicht vor Ort ansehen. Allerdings wurde das Spektakel live im Fernsehen des Hessischen Rundfunks übertragen, war online zu verfolgen und im nahe gelegenen Michelstadt gab es ein Public Viewing auf dem Marktplatz.

Wegen der Sprengung an der wichtigen Nord-Süd-Verbindung mussten mehrere Anwohner ihre Häuser verlassen. Nach Angaben der Polizei lief alles reibungslos. Insgesamt mussten 33 Wohngebäude evakuiert werden. 141 Personen waren von der Maßnahme betroffen. Reiter im Wald und Polizei in der Schutzzone überwachten, ob Drohnen oder Menschen unerlaubt unterwegs sind.

Risse im Beton waren Sicherheitsrisiko

Die einsturzgefährdete Brücke war seit Mitte Mai für den Straßen- und Bahnverkehr gesperrt. Bei einer Prüfung waren Risse im Beton festgestellt worden. Die gesperrte Bahnlinie unter der Brücke soll bis Ende der hessischen Sommerferien wieder befahrbar sein.

Für die Explosionen an dem Bauwerk durch die Firma, die auch schon die Salzbachtalbrücke gesprengt hatte, wurden rund 20 Löcher in Stützen gebohrt und mit Sprengstoff gefüllt. Das Flüsschen Mümling und die Bahngleise wurden extra geschützt. 

In Hessen gibt es nach jüngsten Angaben des Verkehrsministeriums derzeit rund 5.400 Brückenteilbauwerke. 235 davon müssen kurz- bis mittelfristig instand gesetzt werden - mitgerechnet wurden auch kleinere Arbeiten wie der Austausch von Geländern.


Bildnachweis: © Uwe Anspach/dpa
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