1. März 2026 / Aus aller Welt

In Handschellen getürmt - U-Häftling weiter auf der Flucht

Nach dem Hafttermin läuft ein gefesselter 22-Jähriger zwei Polizeibeamten davon. Die Polizei sucht mit einem Großaufgebot - ohne Erfolg. Das ist über den Fall bisher bekannt.

Mehrere Streifenbesatzungen, die Bereitschaftspolizei, Spürhunde und ein Polizeihubschrauber suchten erfolglos nach dem 22-Jährigen.
Veröffentlicht am 1. März 2026 um 11:57 Uhr

Die Polizei in Passau sucht weiter nach einem getürmten Untersuchungshäftling. Der mit Handschellen gefesselte 22-Jährige war nach dem Hafttermin am Amtsgericht in der niederbayerischen Stadt auf dem Weg zu einem geparkten Polizeiwagen davongelaufen. Auch am Sonntag gab es der Polizei zufolge keine Hinweise auf dessen Aufenthaltsort. 

Die Polizei veröffentlichte ein Foto des Gesuchten und bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Zugleich warnte sie vor dem Entflohenen, weil er möglicherweise eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen könnte. Er war am Donnerstag wegen eines Haftbefehls aufgrund des dringenden Verdachts der gefährlichen Körperverletzung festgenommen worden. Dabei handelte es sich um sogenannte Beziehungsdelikte, Täter und Opfer kannten sich also, wie ein Polizeisprecher sagte. 

Wie konnte er entkommen?

Vor seiner Flucht hatte der 22-Jährige bereits eine Nacht im Polizeiarrest verbracht. Der Richter setzte am Folgetag der Polizei zufolge den Haftbefehl in Vollzug. Zwei Polizeibeamte sollten den Mann anschließend zur Untersuchungshaft in eine Justizvollzugsanstalt bringen. Doch dann gelang ihm trotz Handschellen die Flucht. 

«Offensichtlich hat er eine günstige Situation für sich nutzen können», sagte der Polizeisprecher. Es sei davon auszugehen, dass der Mann die Handschellen schnell loswerden konnte. Gegenstand der Ermittlungen sei auch, ob er Helfer bei der Flucht hatte. 

Hat die Flucht Konsequenzen?

Nach Angaben der Polizei lief der 22-Jährige am späten Freitagvormittag zunächst in Richtung Innenstadt davon. Die Polizei suchte mit einem Großaufgebot nach ihm. Mehrere Streifenbesatzungen, die Bereitschaftspolizei, Spürhunde und ein Polizeihubschrauber waren demnach im Einsatz - vergeblich. Auch mehrere Objekte seien durchsucht worden, der Verdächtige sei dort aber nicht gefunden worden, sagte der Sprecher.

Derzeit stehe die Fahndung im Vordergrund, sagte der Sprecher. Im Nachgang werde man dann aber auch aufarbeiten müssen, wie ihm die Flucht auf dem Weg zum Streifenwagen habe gelingen können. 

Sind die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend?

Dem bayerischen Innenministerium zufolge hatte eine Arbeitsgruppe am Polizeipräsidium Oberpfalz bereits vor einiger Zeit Handlungsempfehlungen zum Umgang mit gefesselten Verdächtigen, etwa bei der Vorführung vor Gericht, erarbeitet. Solche Vorfälle wie in Passau seien glücklicherweise selten, sagte ein Ministeriumssprecher. 

2023 hatten die Flucht eines verurteilten Mörders aus dem Amtsgericht Regensburg und eines Angeklagten aus dem Landgericht Coburg innerhalb weniger Wochen für Schlagzeilen gesorgt. Danach hatten die Gerichte in Bayern ihre Sicherheitskonzepte überprüft. 

«Zum gegenwärtigen Zeitpunkt steht die Fahndung nach dem Flüchtigen klar im Fokus», sagte der Ministeriumssprecher. Die Erkenntnisse aus dem Fall sollen nach seinen Angaben jedoch später in die Polizei-Arbeitsgruppe einfließen und intensiv geprüft werden.


Bildnachweis: © Markus Zechbauer/zema-medien.de/dpa
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