15. Mai 2025 / Aus aller Welt

Ärger in Frankreich über deutsches Video zu Drogenviertel

Ein deutscher Youtuber sorgt in Frankreich mit einem Dreh in einem Hochhausviertel voller Drogendealer für Wirbel. Die Stadt will ihn anzeigen und der Innenminister kündigt einen Besuch vor Ort an.

Die Hochhausviertel vieler französischer Großstädte werden vom Drogenhandel geplagt und die Bewohner fühlen sich vom Staat in Stich gelassen (Archivbild).
Veröffentlicht am 15. Mai 2025 um 16:25 Uhr

Ein deutscher Youtuber sorgt in Frankreich mit einer «Ghetto Tour» durch ein Hochhausviertel im südfranzösischen Nîmes für Empörung. Der Youtuber «Lucky Luke030» zeigt in dem zehntausendfach angeklickten Video maskierte und bewaffnete Drogendealer, die ungeniert vor den Wohnblöcken eines Problemviertels ihre Ware anpreisen, Straßensperren errichten und mit ihren Schusswaffen prahlen.

Die Großstadt Nîmes, die lieber mit Kunst und Kultur um Touristen wirbt, spricht von einem «schockierenden Video» und einer «Inszenierung» und erwägt eine Anzeige, wie der städtische Beigeordnete Richard Schieven dem Sender Ici sagte. Innenminister Bruno Retailleau kündigte sich prompt für Freitag zu einem Besuch in Nîmes an, um in einem Problemviertel über die täglichen Einsätze der Polizei zur Wiederherstellung der Sicherheit zu reden. 

Videotouren durch französische Problemviertel

Wie der Deutsch sprechende Youtuber «Lucky Luke030» mit 79.000 Followern mit echtem Namen heißt, ist nicht bekannt. Vor seinem Dreh in Nîmes veröffentlichte er bereits ähnliche Video-Touren durch vom Drogenhandel geplagte Vorstadtviertel in Paris, Toulouse, Marseille und auch aus Los Angeles. Nach aller Aufregung ist das Video zur «Ghetto Tour» aus dem Problemviertel Mas de Mingue in Nîmes nicht mehr frei abrufbar.

Die Empörung über das Video teilt nicht jeder. «Es gibt ihn wirklich, diesen Abschaum und die damit verbundenen Kugeln, Toten und Verletzten», schrieb ein Nutzer auf X. «Aber es ist immer einfacher, das Offensichtliche zu leugnen, denn so brauchen diejenigen, die gegen den Drogenhandel kämpfen sollten, weiterhin nichts tun.»

Die ausufernde Drogengewalt in Frankreich führte auch in Nîmes zuletzt mehrfach zu Toten, auch unter Unbeteiligten. 2023 wurde ein Zehnjähriger während einer Schießerei auf der Rückbank eines Autos tödlich getroffen. Ein Querschläger tötete auch einen Familienvater in seiner Wohnung.


Bildnachweis: © Pascal Guyot/AFP/dpa
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