17. Februar 2026 / Aus aller Welt

Umweltbundesamt: Schadstoff im Urin fast aller Kinder

Vor zwei Jahren entdeckte das Umweltbundesamt im Urin zahlreicher Menschen Spuren eines gefährlichen Weichmachers. Der Ursprung: Sonnencreme. Besser geworden ist die Lage nicht.

MnHexP ist ein Abbauprodukt des Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP), der als fortpflanzungsschädigend gilt. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 17. Februar 2026 um 13:46 Uhr

Im Urin von Kindern und Jugendlichen ist dem Umweltbundesamt (Uba) zufolge weiterhin verbreitet eine fortpflanzungsschädigende Substanz zu finden. In 92 Prozent der im Frühjahr und Sommer 2025 gesammelten Proben - also fast allen - sei sogenanntes MnHexP nachgewiesen worden, teilte die Behörde mit. Der große Anteil belasteter Proben sowie die teils sehr hohen Konzentrationen seien überraschend, sagte Uba-Präsident Dirk Messner.

MnHexP ist ein Abbauprodukt des gesundheitsschädlichen Weichmachers Di-n-hexyl-Phthalat (DnHexP). Er ist laut Uba in der EU nicht zugelassen. Im Jahr 2024 hatte das Uba erstmals über MnHexP-belastete Urinproben berichtet. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima in Nordrhein-Westfalen den Stoff in Urinproben von Kindergartenkindern. 

Die Herkunft war zunächst unbekannt. Die Funde ließen sich schließlich auf eine Verunreinigung eines UV-Filters in Sonnencremes zurückführen, wie es vom Uba hieß. «Dieser Zusammenhang zeigt sich auch bei den aktuellen Daten wieder.» DnHexP kann demnach bei der Herstellung des häufig zugesetzten UV-Filters Diethylamino-Hydroxybenzoyl-Hexylbenzoat (DHHB) entstehen. 

Für Sonnenschutzmittel mit diesem UV-Filter werden in der EU erst ab Januar 2027 strengere Regeln für den maximal erlaubten DnHexP-Gehalt gelten, wie es vom Uba hieß. Messner betonte aber auch, dass die Verwendung von Sonnenschutzmitteln bei Kindern und Jugendlichen essenziell bleibe, um das Risiko von Hautkrebs zu minimieren.

Proben von 2025 zeigten teils hohe Konzentrationen

Für die neue Analyse waren 259 Urinproben von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren aus den Monaten April bis Juli 2025 analysiert worden. Zwei Teilnehmende hätten den vom Uba ausgewiesenen Beurteilungswert von 60 Mikrogramm pro Liter Urin überschritten - sie kamen auf Werte von 83 beziehungsweise 107 Mikrogramm pro Liter.

DnHexP sei nicht der einzige fortpflanzungsschädigende Stoff, dem Menschen ausgesetzt seien, erläuterte das Uba. Die Gesamtbelastung durch fortpflanzungsschädigende Weichmacher habe in der letzten Uba-Analyse bei Kindern und Jugendlichen bei einem Großteil insbesondere der jüngeren Kinder über der als tolerierbar definierten Aufnahmemenge gelegen. Auch darum sei es wichtig, Produkte wie Sonnencreme frei von Verunreinigungen zu halten.


Bildnachweis: © Bernd Thissen/dpa
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