31. März 2026 / Aus aller Welt

«Den Kindern eine Stimme geben» – Blocks Nachbarin sagt aus

Im Block-Prozess geht es nicht nur um die Entführung, sondern immer wieder auch um die lange Vorgeschichte des Falls. Die Nebenklage setzt als wichtige Zeugin auf eine Nachbarin – und ihre Eindrücke.

Christina Block steht seit Juli 2025 vor Gericht.
Veröffentlicht am 31. März 2026 um 15:03 Uhr

Kurz nachdem der Prozess um die Entführung der Block-Kinder im Juli 2025 beginnt, meldet sich eine Nachbarin von Christina Block beim Anwalt des Ex-Mannes. Sie habe von ihrem Haus aus einige Beobachtungen bei Familie Block gemacht, die sie zum Weinen gebracht hätten und wolle nicht länger schweigen – so gibt Nebenklagevertreter Philip von der Meden am 43. Prozesstag im Landgericht das Gespräch wieder. Auf seinen Antrag hin sagt die 52-Jährige nun als Zeugin im Gerichtssaal aus. 

«Mein Anliegen ist es, den Kindern eine Stimme zu geben», berichtet die dreifache Mutter und Hausfrau. Denn sie habe gelesen, dass die Kinder im Prozess nicht aussagen wollen. Sie bereue, diese Szenen, die sie als «traurig» empfand, nicht schon früher gemeldet zu haben. 

Christina Block sagt in einer Erklärung, sie kenne die Frau nicht und habe noch nie mit ihr gesprochen. Sie wohne einige Häuser von ihr entfernt. Block betont, ihre Kinder hätten bis Sommer 2021 «fröhlich und gut» bei ihr gelebt. Ihr Verteidiger, Ingo Bott, sprach von einer «Abrechnungsgeschichte der Nebenklage».

Mutter hat keinen Kontakt zu ihren Kindern

Nach der Trennung von Christina Block und Stephan Hensel hatten die vier gemeinsamen Kinder zuerst jahrelang bei der Mutter gelebt. Im August 2021 brachte der Vater die beiden jüngsten Kinder nach einem Besuch bei ihm in Dänemark nicht wie vereinbart zurück nach Hamburg. Hensel erhob Gewaltvorwürfe, die Block als unwahr bezeichnet. Die 52-Jährige hat seither keinen Kontakt zu dem Jungen und dem Mädchen. Sie wirft ihrem Ex-Ehemann vor, die Kinder manipuliert zu haben.

Block soll Auftrag zur Entführung gegeben haben

Block soll während des langen Sorgerechtsstreits eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt haben, zwei ihrer Kinder vom Wohnort ihres Ex-Manns in Dänemark zu entführen. Der damals zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen wurden in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach Süddeutschland gebracht. Ihre Mutter holte sie von dort nach Hamburg. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, bestreitet, den Auftrag zur Entführung erteilt zu haben. 

Die Nachbarin schildert frühere Szenen, die sie nach eigenen Worten als traurig empfand: Einmal habe Blocks kleiner Sohn, damals etwa drei Jahre alt, ohne Schuhe vor dem Haus der Blocks im Regen gestanden und fürchterlich geweint. Sie habe erst gedacht, es sei ein Versehen und habe ihre damals etwa 14 Jahre alte Tochter zu Block geschickt, um die darauf aufmerksam zu machen. Die habe zwar die Tür geöffnet, soll aber laut der Tochter der Nachbarin nur gesagt haben: «Der Junge wüsste ganz genau, warum er dort steht», sagt die Zeugin.

Morgens sei es immer sehr hektisch gewesen, wenn Block mit den vier Kindern zum Kindergarten oder zur Schule abgefahren sei. «Der Umgangston war auch nicht immer freundlich», meint die Zeugin. Die Kinder seien zudem viel allein gewesen. Sie habe sich aber nicht getraut, Frau Block selbst auf die Vorfälle anzusprechen, denn sie sei eine «Prominente».

Block: Angeblicher Vorfall «völlig absurd»

Block weist die Vorwürfe später zurück: Es könne nicht stimmen, dass ihr kleiner Sohn allein ohne Schuhe im Regen gestanden hätte. Das sei «vollkommen absurd». Zu den angeblichen Beobachtungen bei den Abfahrten sagt sie: Vielleicht sei es morgens etwas hektischer gewesen. Aber das sei Alltag und normal, wenn man berufstätig und alleinerziehend sei, erklärt die Unternehmerin.

Die Nachbarin schildert zudem Eindrücke kurz vor der Silvesternacht 2023/24. Sie habe beobachtet, wie «Unmengen von Tüten» in Blocks Wohnhaus geschleppt worden seien, berichtet die Zeugin. Sonst würden nicht so viele Supermarkttüten gebracht. Sie habe gedacht, da werde wohl eine große Party stattfinden – doch am nächsten Tag sei das Haus dunkel gewesen, sagt die Nachbarin.

Prozess geht erst Mitte April weiter

Nach Ansicht von Nebenklagevertreter Philip von der Meden untermauert die Zeugenaussage: «Frau Block wusste, dass die Entführung ansteht.» Die Verteidigung verneint dies. Es sei auch nichts vorbereitet worden.

In dem aktuellen Verfahren gibt es sechs weitere Angeklagte. Darunter ist Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling (66). Auch er bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben. Angeklagt ist ferner ein Israeli, der seine Beteiligung an der Entführung gestanden hat.

Die für das Verfahren entscheidenden Vernehmungen von weiteren Beschuldigten aus Israel können wegen des Iran-Kriegs derzeit nicht stattfinden. Der Prozess soll am 14. April fortgesetzt werden. Es werde noch geklärt, wie es dann weitergehe, sagt die Vorsitzende Richterin.


Bildnachweis: © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
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