Nur wenige Gerichtsentscheidungen werden in Deutschland in staatlichen, öffentlichen zugänglichen Datenbanken veröffentlicht. Wie aus einer Datenrecherche des SWR hervorgeht, waren bundesweit im Schnitt nur 3,5 Prozent der Entscheidungen von Zivil- und Verwaltungsgerichten aus den Jahren 2023 und 2024 in solchen Datenbanken enthalten. Bei diesen Fällen geht es etwa um Schmerzensgeld, Nachbarstreit oder Baugenehmigungen. Am wenigsten wurde demnach in Rheinland-Pfalz (1,5 Prozent), Niedersachsen (1,6 Prozent) und Thüringen (1,9 Prozent) veröffentlicht. Die meisten Urteile wurden der Analyse zufolge in Bayern (5,6 Prozent), Brandenburg (5,4 Prozent) und dem Saarland (5,4 Prozent) öffentlich gemacht. Nicht einbezogen wurden in die Auswertung die Daten von Amtsgerichten, sowie zum Beispiel aus straf-, finanz- oder arbeitsrechtlichen Verfahren. Dass so wenige Urteile für Bürgerinnen und Bürger zugänglich sind, wird oft kritisiert. Die Idee: Je mehr Urteile öffentlich sind, umso vergleichbarer sind die Fälle und umso verlässlicher die Rechtsprechung. Mehr veröffentlichte Urteile könnten dafür sorgen, dass Richter sich an ähnlichen Fällen orientieren, sagt zum Beispiel Til Bußmann-Welsch, Sprecher der Kampagne «Offene Urteile», die eine Million Gerichtsurteile öffentlich machen will. Gerichtsverfahren würden dadurch schneller und die Bürger kämen einfacher zu ihrem Recht. Die Veröffentlichung von Urteilen ist für die ohnehin überlasteten Gerichte allerdings mit Aufwand verbunden. Denn die Urteile müssen zunächst anonymisiert und für die Herausgabe an die Öffentlichkeit vorbereitet werden. In Hessen und Baden-Württemberg soll künftig die neue Künstliche Intelligenz (KI) «Jano» Justizangestellten dabei helfen. Der SWR-Recherche zufolge sieht die Lage bei den höheren Instanzen schon deutlich besser aus. Während in Zivilverfahren an Landgerichten nur 1,3 Prozent der Entscheidungen öffentlich sind, sind es an Oberlandesgerichten schon 8,2 Prozent und am Bundesgerichtshof - der letzten Instanz - 100 Prozent. Ähnlich landet an Verwaltungsgerichten 5,1 Prozent, an Oberverwaltungsgerichten 67,3 Prozent und am Bundesverwaltungsgericht 100 Prozent in den Datenbanken.Mehr Veröffentlichungen in höheren Instanzen
Bildnachweis: © David-Wolfgang Ebener/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Urteile in Deutschland kaum öffentlich zugänglich
Jedes Jahr werden in Deutschland Hunderttausende Urteile gesprochen. Die allerwenigsten kann man später öffentlich nachlesen. Wie klein die Zahl wirklich ist, zeigt eine Datenrecherche des SWR.
Meistgelesene Artikel
- 22. April 2026
Hilfskonzept für Wal soll überarbeitet werden – vieles offen
Nach der erneuten Strandung des Buckelwals vor Poel ist das bisherige Rettungskonzept überholt. Wie es weitergeht, bleibt offen.
- 23. April 2026
Herzlich willkommen, Heinz Samulewitz & Söhne GmbH
Grabmale Samulewitz aus Rheinbach steht für meisterhaftes Steinmetzhandwerk und individuelle Gestaltung mit Herz und Verstand
- 24. April 2026
Warnmeldung der Bonner Polizei vor Telefonbetrügern
Maschen "Falsche Bankmitarbeiter" und "Schockanruf" führten zu Vermögensschäden
Neueste Artikel
228 Menschen starben 2009 beim Absturz von Flug AF 447. Nun urteilt ein Gericht: Air France und Airbus sind für Unglück und Schadenersatz verantwortlich. Auch deutsche Angehörige sind erleichtert.
Dänische Behörden wollten den Kadaver des als «Timmy» bekannten Buckelwals von der Insel Anholt aufs Festland bugsieren. Doch ein erster Versuch ging schief. Wie es mit dem Tier nun weitergehen soll.
Weitere Artikel derselben Kategorie
228 Menschen starben 2009 beim Absturz von Flug AF 447. Nun urteilt ein Gericht: Air France und Airbus sind für Unglück und Schadenersatz verantwortlich. Auch deutsche Angehörige sind erleichtert.
Dänische Behörden wollten den Kadaver des als «Timmy» bekannten Buckelwals von der Insel Anholt aufs Festland bugsieren. Doch ein erster Versuch ging schief. Wie es mit dem Tier nun weitergehen soll.

