31. August 2025 / Aus aller Welt

Viele Fragen offen nach Tod von 16-Jähriger in Friedland

Solidarität und Trauer auf der einen Seite, offene Ermittlungen auf der anderen: Nach dem Tod einer 16-Jährigen in Friedland ist noch vieles unklar.

Noch immer ist unklar, warum eine 16-Jährige in Friedland am Bahnsteig starb. Der Bahnhof steht seither im Fokus der Ermittlungen.
Veröffentlicht am 31. August 2025 um 13:30 Uhr

Fast drei Wochen nach dem Tod einer 16-Jährigen am Bahnhof Friedland im niedersächsischen Landkreis Göttingen sind weiter viele Fragen offen. Fest steht: Ein 31 Jahre alter Iraker steht im Verdacht, die Jugendliche am 11. August gegen einen durchfahrenden Güterzug gestoßen zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Göttingen sind DNA-Spuren des Mannes an der Schulter des Opfers gefunden worden. 

Der Beschuldigte wurde per Unterbringungsbefehl in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Der Staatsanwaltschaft zufolge hat er am Tattag psychische Auffälligkeiten gezeigt. In der Vergangenheit sei bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden.

Was bisher bekannt ist

Die Polizei war zunächst von einem Unglück ausgegangen: Die Jugendliche sei von einem Zug touchiert und tödlich verletzt worden, der genaue Hergang sei unklar gewesen. Noch am Mittwoch hatte die Polizei ausdrücklich vor Spekulationen in sozialen Netzwerken gewarnt. Mutmaßungen über den Hergang seien unbegründet, hieß es damals. Gleichwohl hatte die Debatte online Fahrt aufgenommen. Erst spätere Untersuchungsergebnisse führten zu dem nun erhobenen Verdacht gegen den 31-Jährigen.

Kurz vor der Tat sei die Polizei wegen eines randalierenden Mannes zum Bahnhof gerufen worden, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Vor Ort hätten Beamte drei Personen angetroffen, darunter den Beschuldigten. Dieser habe die Polizisten nach ihren Angaben zu einem Bahnsteig geführt, wo die 16-Jährige bereits tot gelegen habe. Der Mann habe eine Tatbeteiligung bestritten, ein Atemalkoholtest habe 1,35 Promille ergeben. Da zunächst keine Beweise vorgelegen hätten, sei er wieder entlassen worden.

Nach dem Fund der DNA-Spuren sei er in einem Fachklinikum von einem Ermittlungsrichter mit dem Vorwurf konfrontiert worden. Der 31-Jährige habe von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft sei ein Unterbringungsbefehl wegen Totschlags erlassen worden.

Was unklar ist

Noch offen ist, wie genau sich die Abläufe am Bahnhof kurz vor dem Tod des Mädchens darstellten. Unklar ist auch, warum es zu der tödlichen Situation kam. Erschwert werden die Ermittlungen dadurch, dass es am Bahnhof Friedland nach Angaben der Polizei keine Videoüberwachung gibt. Die Ermittlungen dauern an.

Was über den Verdächtigen bekannt ist

Der Mann war 2022 in Braunschweig erstmals von der Bundespolizei kontrolliert worden und habe dabei ein Asylbegehren geäußert, heißt es. Sein Antrag sei im Dezember 2022 abgelehnt worden, eine Abschiebung nach Litauen sei seit März 2025 möglich gewesen. Ein Antrag auf Abschiebehaft sei im Juli 2025 vom Amtsgericht Hannover jedoch abgelehnt worden. Zwischenzeitlich habe der 31-Jährige eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßt und sich danach erneut in Friedland als Asylsuchender gemeldet.

Der Fall zeige einmal mehr die massiven Probleme des sogenannten Dublin-Verfahrens, sagte Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD). Das Dublin-Verfahren regelt die Verteilung von Asylbewerben in Europa. Demnach hätte der Verdächtige nicht mehr in Deutschland, sondern in Litauen sein sollen. 

Was das Umfeld sagt

Der Tod der Jugendlichen hat große Betroffenheit ausgelöst. «Das war immer ein vorsichtiges Mädchen», sagte Markus Janitzki (CDU), Bürgermeister vom thüringischen Geisleden, wo die Familie zeitweise gelebt hatte. Die Eltern hätten schon früh vermutet, dass es kein Unfall gewesen sei. «Die Empörung und die Wut ist jetzt natürlich sehr groß.»

Parallel dazu seien zwei Spendenaufrufe gestartet worden, um die Bestattungskosten zu finanzieren, sagte Janitzki weiter. Inzwischen seien dort mehr als 14.000 Euro eingegangen. Am Bahnhof in Friedland erinnern Blumen und Kerzen an die 16-Jährige.

Die Familie war 2022 aus der Ukraine geflohen und lebte zunächst in Geisleden, später im thüringischen Heilbad Heiligenstadt. Von dort pendelte die 16-Jährige zuletzt täglich zu ihrer Ausbildungsstätte nach Friedland im Süden Niedersachsens, nahe der Grenze zu Hessen und Thüringen.


Bildnachweis: © Swen Pförtner/dpa
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