22. Dezember 2025 / Aus aller Welt

Von wegen kreativ: Warum die KI oft in alte Muster verfällt

KI soll kreativ sein – doch in einem Experiment entstehen aus 100 Ideen am Ende nur 12 Motive. Warum ausgerechnet gotische Kathedralen und Leuchttürme?

Die KI generierte im Experiment früher oder später ähnliche Motive.
Veröffentlicht am 22. Dezember 2025 um 07:34 Uhr

Von wegen effiziente und kreative Maschine: Künstliche Intelligenzen scheinen gerne abzuschweifen und sich an bewährten Mustern zu orientieren. Eine aktuell in der Fachzeitschrift «Patterns» veröffentlichte Studie hat Sprachmodelle und Bild-generierende KI-Modelle vor eine Aufgabe gestellt, in der die Tools erstaunlich schlecht und unkreativ waren. 

Aus entsprechenden Prompts, also Anweisungen an die KI, generierte das Modell ein Bild – etwa aus einem erzählerischen Prompt wie «Als ich alleine und von Natur umgeben dasaß, fand ich ein altes Buch mit acht Seiten, das eine Geschichte in einer vergessenen Sprache erzählte, die darauf wartete, gelesen und verstanden zu werden.» Aus dem generierten Bild sollte das in der Studie genutzte KI-Sprachmodell LLaVA dann eine Beschreibung erzeugen, die Bild-KI Stable Diffusion XL daraus dann wieder ein Bild – und so weiter.

KI entfernt sich weit von Ursprungsauftrag

Im Experiment ließen die Forschenden von der schwedischen Universität Dalarna und der Michigan State University diese Abfolge 100-mal durchführen. Dabei stellten sie fest, dass die KI abschweifte und sich weit vom Ursprungsbild beziehungsweise der Ursprungsbeschreibung entfernte. Dies war auch dann so, als die Gruppe das Experiment mit diversen anderen KI-Modellen zur Bild- und Textgenerierung durchführte oder längere Prompts verwendete.

Bei einer Analyse der finalen Bilder konnte das Forschungsteam sogar Muster erkennen: Obwohl das Experiment mit 100 verschiedenen Prompts für die Bildszenen begann, landete die KI früher oder später bei nur 12 thematischen Motiven – darunter gotische Kathedralen, Landschaften und Leuchttürme. 

Kreativität orientiert sich an üblicher menschlicher Auswahl

Studienautor Arend Hintze hält die Kreativität von KI-Modellen daher derzeit für recht begrenzt. Was die Modelle im Experiment erzeugt hätten, sei langweilig und generisch. «Es ist fast das Gegenteil von dem, was wir Menschen als kreativ betrachten.» 

Die Forscher mutmaßen, dies liege daran, dass KIs durch Millionen Bilder trainiert seien, die eben von Menschen aufgenommen worden seien. Es müsse nicht immer so bleiben, dass KI unkreativ sei. «Ich denke, dass KI in Zukunft wahrscheinlich in der Lage sein wird, wirklich coole automatisch generierte Dinge zu erschaffen, solange sie richtig angeleitet und vorbereitet wird», meint Hintze.


Bildnachweis: © -/Hintze et al./Patterns/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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