6. Juli 2025 / Aus aller Welt

Waldbrand in der Gohrischheide - Orte weiter in Gefahr

Seit sechs Tagen kämpfen hunderte Einsatzkräfte an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg gegen einen Waldbrand. Die Lage auf dem ehemaligen Armee-Areal bleibt angespannt.

Seit Tagen läuft der Einsatz gegen den Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz.
Veröffentlicht am 6. Juli 2025 um 09:26 Uhr

Der Waldbrand in der Gohrischheide an der Landesgrenze von Sachsen und Brandenburg ist weiterhin eine Gefahr für mehrere Ortschaften. Die Evakuierungen von Jacobsthal Bahnhof und Heidehäuser bleiben deshalb bestehen, wie das Landratsamt Meißen mitteilte. Das Wetter am Samstag mit auffrischendem Wind und warmen Temperaturen hatte demnach an einigen Einsatzabschnitten weiter eine dynamische Lage zur Folge.

Tagsüber waren am Samstag rund 700 Kräfte an den Löscharbeiten beteiligt. Die Gohrischheide ist ein Naturschutzgebiet, auf dem sich bis 1992 ein Truppenübungsplatz der Sowjetarmee befand. Der Löscheinsatz am Boden ist schwierig, weil die Gefahr besteht, dass restliche Munition detoniert. Vier Löschhubschrauber und zwei Wasserwerfer wurden zuletzt eingesetzt. Am Sonntag werden aus Sachsen-Anhalt Spezialisten für die Bekämpfung von Vegetationsbränden erwartet.

Brandgeruch bis Berlin

Der Wind drehte Richtung Brandenburg. Das wirkte sich bis Berlin aus: Die Rauchschwaden zogen bis in die Hauptstadt, wie der Einsatzleiter der Verbandsgemeinde Liebenwerda, Martin Neumann, sagte. In der Warnapp Nina wurde am Samstagmorgen für die brandenburgischen Kreise Elbe-Elster, Dahme-Spree, Oberspreewald-Lausitz und Teltow-Fläming vor einer verstärkten Rauch- und Geruchsbelästigung gewarnt.

Nach Angaben des Landratsamtes in Meißen sind die Einsatzkräfte in Brandenburg darauf vorbereitet, dass das Feuer auch auf ihrem Gebiet wieder aufflammen könnte. Nach dem Ausbruch am Dienstag hatte sich der Waldbrand zeitweilig über die Landesgrenze ausgeweitet.

Lage in den Ortschaften

Am späten Freitagabend waren 45 Anwohner aus dem Ort Jacobsthal Bahnhof in der sächsischen Gemeinde Zeithain evakuiert worden. Am Mittwochabend mussten bereits im Luftlinie rund 4,5 Kilometer entfernten Wülknitzer Ortsteil Heidehäuser rund 100 Menschen, unter ihnen auch Heimbewohner, ihr Zuhause verlassen. 

Bei Jacobsthal Bahnhof errichte eine Planierraupe Schutzstreifen, teilte das Landratsamt am Samstagabend mit. Das Feuer drohe dort auch auf den Sprengplatz des Kampfmittelbeseitigungsdienstes überzugreifen. Die Flammen würden aus Sicherheitsgründen ausschließlich von Fahrzeugen aus bekämpft. «Ziel ist der Schutz der Wohnbebauung, des Sprengplatzes und des Funkmastes», hieß es mit Blick auf die Ortschaft.

Eine «ähnlich dynamische Lage» bestehe in Heidehäuser. Das Feuer drohe dort die Straße zu übertreten. «Ein Löschroboter und ein Wasserwerfer der Polizei sind im Einsatz», hieß es. Der Löschroboter schlägt Schneisen, damit ein Übergriff auf die Ortslage verhindert werden kann. 

Auch in Neudorf und Lichtensee flamme der Brand immer wieder auf. Beide Ortschaften waren vor einigen Tagen vorübergehend evakuiert worden. Aktuell bestehe dort für die Wohnbebauung und die Energieversorgungs-Anlagen aber keine akute Gefahr, hieß es. Eine Biogasanlage sei durch einen bewässerten Streifen gesichert. 

Satellitenbilder sollen Ausmaß des Waldbrandes zeigen

Die Einsatzkräfte warteten zudem auf Erkenntnisse aus Satellitenbildern, die das Ausmaß des Brandgeschehens zeigen sollen. Die Bilder lägen vor, sie sollten noch ausgewertet werden.

Über das Ausmaß des Waldbrandes hatte es in den vergangenen Tagen unterschiedliche Angaben gegeben. Das Landratsamt berichtete am Donnerstag von 200 Hektar. Nach Angaben von Feuerwehrleuten vor Ort umfasste der Brand jedoch eine Fläche von rund 1.000 Hektar. «Die Mitarbeiter des Sachsenforst gehen aktuell von einer betroffenen Fläche von ca. 1.300 Hektar aus», teilte der Landkreis nun mit.

Wieder höchste Waldbrandgefahr im Norden Sachsens

In den nördlichen Teilen Sachsen - zu denen auch die Gohrischheide gehört - erreichte die Waldbrandgefahr wieder die höchste Warnstufe 5. Die Helfer und Einsatzkräfte hoffen auf Regen: Niederschläge sind für Montag und Dienstag vorhergesagt und könnten den Waldbrand eindämmen.


Bildnachweis: © Daniel Wagner/dpa
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