3. Juli 2025 / Aus aller Welt

Waldbrand in Gohrischheide «eskaliert» - Evakuierungen

Auf dem früheren Truppenübungsgelände brennt es erneut - inzwischen auf der kompletten Fläche. Zwei Feuerwehrkräfte erleiden schwere Verletzungen. Zwei Ortsteile werden evakuiert.

Die Feuerwehr bekämpft den Brand den dritten Tag in Folge.
Veröffentlicht am 3. Juli 2025 um 00:35 Uhr

Der Waldbrand in der Gohrischheide, einem früheren Truppenübungsplatz in Sachsen, hat sich deutlich ausgedehnt. Mehr als 200 Einsatzkräfte bekämpfen die Flammen, die nun das benachbarte Brandenburg erreicht haben. Der Löscheinsatz läuft den dritten Tag in Folge. Dutzende Anwohner mussten in Sicherheit gebracht werden.

Am Mittwochabend wurde zunächst der Ort Heidehäuser mit einem Wohnheim für Schwerbehinderte evakuiert, wie Raiko Riedel von der Feuerwehr Zeithain mitteilte. Einige Stunden später wurde in der WarnApp Nina mitgeteilt, dass auch Einwohner vom benachbarten Ort Lichtensee sofort die Gebäude verlassen sollen - zur eigenen Sicherheit. Es solle nur das Notwendigste mitgenommen werden. Doch kurz vor Mitternacht gab es dann für diesen Ortsteil Entwarnung.

Brandfläche verzehnfacht

Die Brandausdehnung habe sich seit dem Mittag mehr als verzehnfacht, sagte Riedel, der stellvertretender Gemeindewehrleiter in Zeithain ist. Inzwischen seien mindestens 600 Hektar Fläche von dem Feuer betroffen. Der Landkreis Meißen teilte am späten Abend mit, es seien mehr als 200 Einsatzkräfte aktiv - an verschiedenen Brandherden.

«Das Feuer bewegt sich Richtung Norden, Richtung Brandenburg», sagte Riedel am Abend. Die trockene Vegetation begünstige eine rasche Ausbreitung, hinzu komme ein leichter Wind. Unter anderem musste auch eine Biogasanlage bei Lichtensee vor dem Feuer geschützt werden.

Es gelte nun die Großgefahrenlage, so Riedel, damit sei das Landratsamt für den Einsatz zuständig. «Gemeinsam mit der Landespolizei Sachsen wird aktuell auch unter Beachtung der vorliegenden Kampfmittelbelastung des Bodens im Brandgebiet der Einsatz aus der Luft mittels Löschhubschraubern geprüft», hieß es am späten Abend aus dem Landratsamt.

Hilfe aus Brandenburg - zwei Verletzte bei der Feuerwehr

«Der Brand ist eskaliert», sagte Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel. Es brenne auf der kompletten Fläche der Heide. Einsatzkräfte aus Brandenburg stünden an der Landesgrenze bereit.

Zuvor hatte Brandenburgs Innenminister René Wilke (parteilos, für SPD) mitgeteilt, die Ländergrenze zu Brandenburg sei durch das Feuer überschritten. Eine Feuerwehrfrau und ein Feuerwehrmann hätten Verbrennungen im Einsatz erlitten und seien schwer verletzt worden. 65 Einsatzkräfte aus Brandenburg seien im Einsatz.

Evakuierungen

Die benachbarten Ortschaften Heidehäuser und Lichtensee sind Ortsteile der sächsischen Gemeinde Wülknitz im Landkreis Meißen. In Heidehäuser mussten rund 100 Menschen ihre Domizile verlassen, unter ihnen etwa 45 Heimbewohner, wie Riedel sagte. Am Abend war die Evakuierung abgeschlossen. 

Die Menschen in den evakuierten Ortsteilen wurden aufgefordert, nur das Notwendigste mitzunehmen, insbesondere Ausweise und Bargeld. Weiter hieß es in der Warn-Mitteilung: «Bedecken Sie Mund und Nase mit einem improvisierten Atemschutz (Stofftuch, Kleidungsstück, OP-Maske). Informieren Sie Ihre Nachbarn.»

Nicht das erste Feuer in der Gohrischheide

Der Brand war am Dienstagnachmittag in der Nähe eines Sprengplatzes des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ausgebrochen, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. In der Nacht zum Mittwoch war das Feuer zunächst eingedämmt worden. Das Gelände ist schwierig, weil die Gefahr besteht, dass restliche Munition auf dem einstigen Truppenübungsplatz detoniert.

Die Gohrischheide ist seit einigen Jahrzehnten ein Naturschutzgebiet, in dem unter anderem in Sachsen gefährdete Brutvögel leben. Auf dem Areal kam es bereits mehrfach zu Bränden. Im Juni 2022 entwickelte sich ein Feuer zum größten Waldbrand in Sachsen seit 30 Jahren. Es entstand ein Millionenschaden. Ein Jahr später brannte es erneut, die Löscharbeiten dauerten ebenfalls mehrere Tage. In beiden Fällen wurde Brandstiftung als Ursache vermutet.


Bildnachweis: © Daniel Wagner/dpa
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