31. Juli 2025 / Aus aller Welt

Wetterdienst revolutioniert Pollenflugmessungen - mit KI

Gute Nachrichten für Allergiker: Vorhersagen für den Pollenflug sollen bald aktueller werden. Der Deutsche Wetterdienst misst nun die Konzentration in der Luft selbst - und setzt zur Analyse KI ein.

Einer der ersten Pollenmonitore steht in Hamburg, wo ihn Stefan Gilge vom DWD-Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung vorstellte.
Veröffentlicht am 31. Juli 2025 um 15:09 Uhr

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) misst den Pollenflug künftig häufiger und kann tagesaktuelle Auswertungen bieten. Dafür sind in Hamburg, im baden-württembergischen Freiburg und im hessischen Offenbach nun die ersten von insgesamt 16 Pollenmonitoren in Betrieb genommen worden. «Nach einer mehrwöchigen Prüfphase werden die Daten dann operationell genutzt», sagte Stefan Gilge, der für Lufthygiene zuständige Referatsleiter am DWD-Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung (ZMMF) in Hamburg. 

Daten nach wenigen Stunden abrufbar

Die neuen Geräte messen in der Hauptflugzeit der Pollen viermal täglich die Luft und werten die Daten direkt aus. Dank Künstlicher Intelligenz (KI) ist das schneller als bisher machbar. 

«Unser neues automatisches Pollenmonitoring-Messnetz ermöglicht die Erfassung der aktuellen Pollenflugkonzentration innerhalb von ein bis sechs Stunden», sagte Christina Koppe, Abteilungsleiterin der Klima- und Umweltberatung des DWD. Aktuell werden die Daten noch vom Polleninformationsdienst händisch ausgewertet und die Daten liegen deshalb erst nach zwei bis drei Tagen vor. 

Der DWD setzt Koppe zufolge damit eines der weltweit modernsten Systeme ein, das vor allem für Allergiker große Erleichterungen bringen könne. Erfasst werden die Hauptpollenarten von Hasel, Erle, Esche, Birke, Gräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia sowie weitere 26 Pollenarten. 

Allergiker können künftig tagesaktuell online nachschauen, welche Pollen derzeit besonders intensiv fliegen, und damit beispielsweise ihre Medikamente passgenauer nehmen und ihre Aktivitäten im Freien besser planen.

Deutschlandweit 16 Stationen bis Ende 2026

Bis Ende 2026 sollen deutschlandweit 16 dieser Messkästen auf Dächern aufgestellt sein. Zwei Millionen Euro kostet das insgesamt. Das System wurde zuvor in Freiburg am DWD-Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung getestet. 

Konkret funktioniert dieses so: Die automatisch angesaugte Luft wird konzentriert, auf eine mit wässriger Vaseline beschichteten, kleinen Probenplatte aufgetragen und dann durch digitale Mikroskopie automatisch ausgewertet. 

Von einer Probe werden rund 60.000 Fotos gemacht und darin erkennt die KI die verschiedenen Pollen und kann deren Konzentration berechnen. Die Daten werden in der Folge automatisch nach Freiburg übermittelt. Von Hand müssen dann nur noch zweimal im Jahr die Magazine gewechselt und einmal im Jahr die Geräte gewartet werden.


Bildnachweis: © Christiane Bosch/dpa
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