Alle Hantavirus-Verdachts- und bestätigten Fälle sind nach WHO-Angaben inzwischen isoliert und stehen unter medizinischer Beobachtung. Damit sei das Risiko weiterer Übertragungen auf ein Minimum reduziert, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Madrid. Derzeit sind demnach elf Fälle im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» erfasst. Darunter sind drei Todesfälle, die ganz am Anfang infizierte Menschen betrafen. Für neun der Fälle gibt es Labornachweise. «Alle elf Fälle traten bei Passagieren oder Besatzungsmitgliedern des Schiffes auf», teilte der WHO-Chef weiter mit. Womöglich gab es also keine Verbreitung über das Schiff hinaus - etwa, als Passagiere von Bord gingen und heimreisten, bevor klar wurde, dass das Virus auf dem Schiff kursiert. Wegen der langen Zeitspanne von einer Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit von bis zu sechs Wochen schließen Experten allerdings nicht aus, dass die Fallzahl noch etwas weiter steigen könnte. Die WHO empfehle eine Überwachung der Menschen vom Schiff bis zum 21. Juni, sagte Ghebreyesus. Rund 150 Menschen aus 23 Ländern waren demnach auf der «Hondius». In Deutschland befindet sich unter anderem ein Passagier aus dem Großraum Berlin in häuslicher Isolation, auch für eine Person aus Sachsen wurden sechs Wochen häusliche Quarantäne angeordnet. Von den am Montag nach Deutschland gebrachten vier Passagieren des Schiffes zeigte zunächst keiner Symptome. «Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht», hieß es vom Bundesgesundheitsministerium (BMG). Falls eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren nach besten medizinischen Standards und sicher behandelt werden. Von der WHO wird angenommen, dass die Infektionskette auf der «Hondius» auf ein niederländisches Ehepaar zurückgeht, das am 1. April an Bord ging. Der Mann - mutmaßlich der Erstinfizierte des Infektionsclusters - hatte am 6. April Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall entwickelt und war am 11. April gestorben. Im Zuge dieser Erkrankung kam es nach derzeitiger Annahme zu begrenzten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen auf dem Schiff. Da die Symptome denen verschiedener Atemwegserkrankungen ähneln, war erst verzögert auf das Hantavirus getestet worden. Erst dann kamen strengere Isolierungs- und Überwachungsmaßnahmen in Gang. Der WHO-Chef würdigte die von Spanien auf der Urlaubsinsel Teneriffa geleitete Evakuierung von Passagieren und Crewmitgliedern der «Hondius». Die spanische Zentralregierung habe beispielhafte Solidarität gezeigt. «Die Welt braucht diese Art von Freundlichkeit und Mitgefühl, wie sie die spanische Regierung gezeigt hat. Ich glaube, die ganze Welt sollte stolz auf diese Reaktion sein.» Der Kapitän der «Hondius», Jan Dobrogowski, hatte zuvor in einer Videobotschaft Besatzung und Passagieren für «Geduld, Disziplin und Freundlichkeit» gedankt. «Diese vergangenen Wochen waren extrem anstrengend», sagte er. Die Menschen hätten unter diesen schwierigsten Umständen «Fürsorge, Zusammenhalt und Kraft» gezeigt. Die «Hondius» hatte am Sonntag den Hafen von Granadilla im Süden Teneriffas erreicht. Mit Sonderflügen wurden Menschen vom Schiff unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat gebracht. Am Montagabend wurde die Evakuierung abgeschlossen. Das Schiff setzte anschließend seine Fahrt mit einer Restmannschaft Richtung Niederlande fort. Weltweit gibt es zahlreiche Hantaviren. Auf dem Schiff kursierte das südamerikanische Andesvirus. Es wird wie alle Hantaviren in der Regel von Nagetieren übertragen, etwa über Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub, vereinzelt sind bei diesem Typ bei andauerndem, engem Kontakt auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen möglich. In den vergangenen Jahrzehnten hatte es einige wenige erfasste Ausbrüche in Südamerika gegeben, die alle rasch wieder abebbten. Auch im aktuellen Fall sehen Experten kein Risiko für eine umfassende Ausbreitung des Erregers.Nachläufer bei den Fällen sind möglich
Virus kam wohl mit einem Niederländer an Bord
«Fürsorge, Zusammenhalt und Kraft»
Ausbrüche ebbten stets rasch ab
Bildnachweis: © Arturo Rodriguez/AP/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
WHO: Hantavirus-Geschehen unter kontrollierter Beobachtung
Gut einen Monat nach dem Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff hält sich die Zahl nachweislich Infizierter weiter in engen Grenzen. Der WHO-Chef zieht eine erste Bilanz.
Meistgelesene Artikel
- 6. Mai 2026
Betrug durch falsche Spendensammler
Polizei warnt vor dreister Betrugsmasche
Hinweise erbeten
Im gesamten Rhein-Sieg-Kreis kommt es im Mai und Juni 2026 aufgrund der Feiertage zu Verschiebungen bei der Müllabfuhr
Neueste Artikel
- 6. Juni 2026
Umwelthilfe übt Müllkritik an Musikfestivals
Weniger Einweg, mehr grüne Lösungen: Warum die DUH bei Großfestivals wie Rock am Ring auf konsequente Mülltrennung und nachhaltige Toiletten pocht.
Die Zahl der Organspender und auch die Zahl der gespendeten Organe sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres leicht angestiegen. Doch das reicht bei weitem nicht für alle Schwerkranken.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 6. Juni 2026
Umwelthilfe übt Müllkritik an Musikfestivals
Weniger Einweg, mehr grüne Lösungen: Warum die DUH bei Großfestivals wie Rock am Ring auf konsequente Mülltrennung und nachhaltige Toiletten pocht.
Die Zahl der Organspender und auch die Zahl der gespendeten Organe sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres leicht angestiegen. Doch das reicht bei weitem nicht für alle Schwerkranken.

