3. April 2025 / Aus aller Welt

Zwischen Müllsäcken ausgesetzt: Müllmann findet Baby in Rio

Erst hielt er es für eine Puppe, dann fing es an zu weinen: Ein Straßenreiniger findet ein ausgesetztes Baby und fühlt sich für dessen Schicksal verantwortlich. Doch für eine Adoption gibt es Hürden.

«Wir kennen die Umstände nicht, wie und warum sie dort gelandet ist. Aber ich möchte nicht, dass sie sich verlassen oder abgelehnt fühlt», sagte da Silva Santos.
Veröffentlicht am 3. April 2025 um 10:20 Uhr

Ein neugeborenes Baby zwischen Müllsäcken hat ein Mitarbeiter der Stadtreinigung in Rio de Janeiro gefunden. «Ich dachte zuerst, dass es eine Puppe sei», erzählte Samuel da Silva Santos der Deutschen Presse-Agentur. «Als ich es in die Hand nahm, merkte ich, dass es ein neugeborenes Mädchen war, und es fing an zu weinen», berichtete er weiter. Ein von einem Kollegen aufgenommenes Video zeigt den Moment, in dem das Baby gegen drei Uhr morgens im ärmlicheren Norden der Millionenmetropole gefunden wurde. Mehrere brasilianische Medien hatten zunächst darüber berichtet.

Die Straßenreiniger stellten daraufhin ihre Arbeit ein und riefen die Polizei an, die das Baby zur medizinischen Versorgung in ein Krankenhaus brachte. Es gehe dem Mädchen gut und es erhole sich, sagte da Silva Santos. «Sie ist eine Kriegerin.» Sie sei ein zweites Mal geboren worden. Jetzt beabsichtige er zusammen mit seinem Kollegen Anderson Nunes, der die Szene miterlebte, das Baby zu adoptieren, und prüfe bereits, welche Schritte dafür notwendig wären.

«Wir kennen die Umstände nicht, wie und warum sie dort gelandet ist. Aber ich möchte nicht, dass sie sich verlassen oder abgelehnt fühlt», sagte da Silva Santos. «Es ist bereits eine Verbindung, eine Liebe zwischen uns entstanden», fügte Nunes hinzu.

Eine Adoption ist ungewiss

Doch ein Adoptionsverfahren ist nicht so einfach. «Bevor ein Kind oder Jugendlicher zur Adoption freigegeben wird, müssen laut Gesetz die Möglichkeiten der (Wieder-)Eingliederung in die Familie ausgeschöpft werden», berichtete das Nachrichtenportal «G1» unter Berufung auf ein für Kinder und Jugendliche zuständiges Gericht in Rio de Janeiro. Erst dann, wenn sich niemand findet oder die Familie das Sorgerecht nicht übernehmen wolle, könne das Adoptionsverfahren beginnen.

«Wenn sich niemand findet, hat sie bereits eine Familie», sagte da Silva Santos, der das Mädchen Vitória nannte. Der Name hat eine lateinische Herkunft und bedeutet übersetzt «Sieg».


Bildnachweis: © Philipp Znidar/dpa
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